Sprachstandserhebungen: Deflin4 (2010)

In Nordrhein-Westfalen ist die vorschulische Sprachstandserhebung Delfin4 verbindlich. Ihre Ergebnisse sollen gezielte Sprachfördermaßnahmen ermöglichen. Entwicklung, Erprobung und Anwendung des Konzepts sind sehr gut dokumentiert. Sprachdiagnostische und Sprachförderkompetenzen und -qualifikationen sind durchaus nachvollziehbar operationalisiert. Eher verblüffend ist, in welchem Ausmaß bei Delfin4 an sprachwissenschaftlicher und sprachdidaktischer Kompetenz vorbeigesehen wurde (und wird?). Empirische Bildungsforschung ohne philologische Qualifikation? Eine externe, interdisziplinäre Evaluation des Verfahrens steht derzeit noch aus.

Dimensionen des Projekts, schematisch skizziert (terminologisch weitgehend Delfin4):

Die sprachdidaktischen Implikationen des Sprachförderkompetenz-Konzepts (in einem eigenen umfangreichen Manual detalliert dokumentiert) sind kritisch: da werden Erzieherinnen sprachliche Interventionen nahegelegt, die nicht sprachdidaktisch sondern kommunikationspsychologisch definiert und operationalisiert sind. Besonders die linke untere Hälfte des hier skizzierten konzeptionellen Netzes zeigt, in welcher psycholinguistischen Begriffswelt sich die Konstrukteure von Delfin4 bewegen: die Unterscheidung von Ebenen der Sprachverarbeitung stellt eine begriffliche Gemengelage informatischer, semiotischer, bewusstseinstheoretischer Grundbegriffe dar - und entspricht (vergl. Kambartel/Stekeler-Weithofer 2005) keineswegs den wissenschaftlichen Standards gegenwärtiger Sprachtheorien. - Siehe Stichworte der Anhörung beim Landtag NRW.

Evaluation

Problemfeld