Grammatische Argumentationen

Welche Rolle spielen die distributionsanalytischen Operationen bei den konkreten grammatischen Argumentationen? Also die gedankenexeperimentellen synatktisch und semantisch angemessenen Substitutionen sprachlicher Ausdrücke durch andere. (Wie sie etwa Kinder der Grundschule bei der sinnngebundenen Satzanalyse als die Verschiebeprobe, die Umstellprobe, die Ergänzungsprobe, als Weglassprobe kennenlernen.) Ganz einfach, werden manche Sprachddaktiker feststellen wollen, die grammatischen Operationen dienen der Bestimmung der Satzglieder und ihrer Elemente. Aber damit ist noch nicht viel über ihren sprachanalytischen Stellenwert gesagt. Der kann unter den folgenden Aspekten genauer beschrieben werden:

Grammatische Operationen spielen in gewisser Weise mit den sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten, die wir zu kennen meinen,. Was grammatisch gesehen geht und was nicht, hängt mit unserer Spracherfahrung und unserer sprachlichen Phantasie zusammen. Soweit die Beispiele die sprachliche Praxis und das Sprachverständnis exemplifzieren. Grammatische Operationen sind so etwas wie stukturanalytische Beweismittel. Die Substitutionstests spielt man durch, um die Stukturiertheit sprachlicher Ausdrucksformen darstellen zu können. Die sprachlichen Ausdrücke können einfach oder komplex strukturiert sein. Substitutionen komplexer Ausdrucksformen können der Logik ihrer Genese nach als Ableitungen (Grammatikalisierungen) von Abfolgen elementarer Ausdrucksformen dargestellt werden. Und elementare sprachliche Ausdrucksformen sind jene, die man schon gelernt haben muss, um andere lernen zu können. Kurz - grammatische Operationen sollten also logisch äquivalent und pragmatisch kohärent sein. Die besagte Ersatzprobe zum Beispiel überzeugt uns dann, wenn sie die Ausdrucksform wörtlich nimmt und wenn sie unserem Sprachverständnis entspricht.

Nun ist die Praxis des Umgangs mit, des Argumnetierens mit grammatischen Operationen in aller Regel komplexer und - undurchsichtiger. Vielen grammatischen Analysen ist, sobald es um die sprachliche Kennzeichnung der besagten Operationen geht, ein gewisser technizistischer Touch eigen. Bei anderen gewinnt man gelegentlich den Eindruck, dass die Handhabung grammatischer Operationen zu sprachanalytischen Mystifaktionen führe. Ein paar kritische Hinweise mit Bezug auf die Satzlehre der DUDEN-Grammatik (Mannheim 2005):

Was sollen diese grammatische Operationen zeigen, beweisen und erklären? Sätze, darauf kommt es wohl im weentlichen an, bestehen aus Satzgliedern , Satzglieder können einfach oder komplex sein, ein einziges Wort kann ein Satzglied wert sein, jedes komplexe Satzglied hat ein Wort als Kern. Satzglieder erkennt man, das zeigt die Verschiebeprobe, als Einheiten des Satzes im übrigen daran, dass sie allein die Position vor dem finiten Verb besetzen können.

Eine, wenn nicht die wesentliche Bedingung der operationalen Verfahrensweise, auch laut DUDEN: es darf dabei keine nicht zulässige Sinnveränderung geben. Was heißt das? Nichts anderes als, dass der Grammatiker grundsätzlich mit der Sprache vertraut sein muss, deren grammatische Formen er kategorial unterscheidet. Dass er, wenn er empirisch arbeitet, nicht an der Interpretation und der Explikation der Ausdrucksformen vorbeikommt, die er den grammatischen Operationen unterzieht. Dass er die grammatische Praxis eben ncht als eine operative Technik missversteht, wie das manche sprachwissenschaftlichen und sprachdidaktischen Grammatikstudien vor dem Hintergrund einer syntaktizistischen Tradition der Sprachanalyse zu tun beanspruchen; sondern die besagten substitutionellen Verfahren als heuristische Gedankenexperimente bei grammatischen Argumentationen handhabt - und kennzeichnet. Wenn aber die Terminologie der grannatischen Analyse in (nicht einmal kohärenten) Bildern einer älteren Organischen Chemie kontextualisiert ist, dann liegen naturalistische Missverständnisse der sprachanalytischen Praxis durchaus nahe. (Die Aussagen über die Bestimmung, die Unterscheidung und das Verhalten der Satzglieder und Gliedteile bei Anwendung der Verschiebeprobe im Mannheimer DUDEN von 2005 sind nicht weit davon entfernt. Eine systematische Kritik der DUDEN-Grammatik von 1984 ist vielleicht ach in diesem Zusammenhang noch aktuell.)

Und die Konsequenz? Vielleicht ein anderes, ein differenzierteres Verständnis grammatischer Strukturen? Ihrer Genese, ihrer Aneignung?

Operationalismus

Problemfeld