Begriffswelten der Grammatiker

Die Sprache, die der Grammatiker beschreibt, ist eines; die Sprache, in der er schreibt, ein anderes. Was unterscheidet beide Sprachen? Die eine Sprache ist ein praktisches, die andere ein begriffliches Vokabular. Wann stimmt das begriffliche Vokabular des Grammatikers? Er spricht ja gerne von den Regeln der Bildung grammatisch korrekter sprachlicher Ausdrucksformen, denen der bekannte zum linguistischen Kompetenz-Überich stilisierte Sprecher der Sprache zu folgen scheint. Er operiertt dabei nicht selten mit einem Konzept des Sprachbewusstseins, das auffallend zweckrational gedacht zu sein scheint. Er bewegt sich dabei, oft ohne es zu bemerken, in den Bahnen von zeichentheoretischen Denkgewohnheiten, die problemgeschichtlich alles andere als rational sind.

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Was, beispielsweise, ist die sprachanalytiscche Unterscheidung von Syntax, Semantik und Pragmatik wert, und auf welches semiologische oder semiotische Programm lässt man sich ein, wenn man dem analytischen Prinzip des formalwissenschaftlichen Syntaktizismus folgt, oder dem des handlungstheoretischen Pragmatismus? Was ist von jenem auf den ersten Blick erkärungsstarken grammatiktheoretischen Statement zu halten, form follows function? Und was von den divergenten begrifflichen teleologischen, intentionalistischen, expressivisten Konnotationen der verschiedenen Theorietraditionen? Wie etwa beschreiben Linguisten ihre sprachanalytische, ihre grammatische Praxis; wie kennnzeichnen sie die sprachlichen Operationen, die zur terminologischen Kennzeichnung der internen Struktur sprachlicherAusdruckformen führen? Was, beispielsweise, ist die Theorie der Sprache, genauer: die Theorie des Verhältnisses von Sprache und Welt, von Sprache und Denken, die voraussetzt, wer mit Grundbegriffen wie Repräsentation oder wie Artikulation operiert, wenn er etwa das (welches?) Verhältnis von Form und Bedeutung eines bestimmten sprachlichen Ausdrucks zu beschreiben versucht. Manche Theorien der Grammatik, manche Grammatiken einer Sprache kommen einem, was das Beschreibungsvokabular angeht, eher wie ein unaufgeräumter theorietraditioneller Gemischtwarenladen vor.

Das begriffliche Vokabular der Distributionsgrammatiker ist ein Beispiel dafür, wohin grammatische Argumentationen führen können, wenn die sprachtheoretischen Implikationen und Konsequenzen seines wissenschaftlichen Gebrauchs kaum beachtet werden. Wer zum Beispiel das Verhältnis von Syntax und Semantik sprachlicher Konstruktionen repräsentationalistisch zu charakterisieren versucht, dabei verschiedene Versionen des Begriffs der Repräsentation gelten lassen will und auch ansonsten eher sorglos mit der semiotischen Begriffsgeschichte und der semiologischen Begriffskritik umgeht, der wird kaum zu sprachtheoretisch fundierten Strukurbeschreibungen der Sprache(n) gelangen. (Exemplarisch Croft 2001.)

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