Das wissenschaftliche Interesse: eine Diagnose der Diagnostik

Mich interessiert in erster Linie, was Sprachdiagnostiker tun, wenn sie Sprachstandserhebungen konzipieren, realisieren und evaluieren; welche Analysen sie dabei durchspielen, welche Methoden sie dabei anwenden, welche Theorien (und Theorietraditionen) sie dabei voraussetzen; auf welche Erkenntisse der Entwicklungsforschung und auf welche Standards der Bildungsforschung sie dabei Bezug nehmen.

Exemplarisch kann man darstellen, wie diagnostische Prozesse ablaufen, wie sie organisiert und strukturiert sind, welches diszplimäre Können und Wissen dabei den Bezugsrahmen bildet und was die prognostische Relevanz ihrer Ergebnisse für wen ausmacht. Von Bedeutung wäre dabei weniger, ob die zu Papier gebrachten Darstellungen sprachdiagnostischer Konzepte dem state of the art entsprechen; die Diagnose der Diagnostik hätte ja leicht etwas Selbstzweckhaftes, wenn sie sich aufs Problematisieren von Theorien kaprizieren würde. Man kann und man sollte vielmehr zeigen, was Konzept-, Sprach-, Diskurs- und Videoanalysen zum Verständnis der aktuellen Probleme vorschulischer Sprachförderung konkret beitragen können.

Meine eigene Perspektive ist dabei die des mit der Praxis der empirischen Lern-, Unterrichts- und Bildungsforschung befassten Sprachwissenschaftlers und Sprachdidaktikers; eine, die in der sehr weitgehend pädagogisch-psychologisch bestimmten Frühpädagogik interdisziolinär gesehen denn doch deutlich zu kurz kommt. Was übrigens mehrere Gründe und Ursachen hat: Elementare sprachliche Bildung hat die philologischen Disziplinen der Geistes- und Kulturwissenschaften kaum interessiert; zudem scheinen sie dem vorherrschenden bildungswissenschaftlichen Empirismus mit ihren verstehenstheoretischen Ambitionen wenig entgegensetzen zu können.

Auch deshalb haben wir es in diesem Feld mit Initiativen, Projekten, Disziplinen und Institutionen zu tun, die das bildungspolitische Versprechen einzulösen scheinen, dass sie, was die frühe Förderung soziokulturell benachteiligter Kinder angeht, die harten Fakten der Diagnose ermitteln und darstellen zu können imstande sind. Ist das so? Ein paar kritische Hinweise.

Die Argumentation

Problemfeld