Interpretation: ihr Stellenwert bei der Sprachanalyse:

Interpretation

Eine Interpretation einer sprachlichen Äußerung liegt schon dann vor, wenn eine zweite Person auf die Äußerung einer ersten Person antwortet - und zwar in der Perspektive einer dritten Person, die sich den Zusammenhang der beiden Äußerungen verständlich zu machen versucht. Denn wenn wir zum Beispiel erkennen wollen, auf welche Weise die zweite Person auf die erste Bezug nimmt, können wir uns eines bekannten hermeneutischen Tricks bedienen: wir können versuchen, das Verständnis der ersten Äußerung zu erschließen, das wir der Äußerung der zweiten Person entnehmen können. (Wir können - im Stil der hermeneutischen Tradition der Verstehenstheorien gesprochen - versuchen, die Frage zu entdecken, auf die die Äußerung der anderen Person die Antwort sein mag.) Was wir dabei entdecken, ist ein kognitiver Prozeß, der sich gewissermaßen 'im Kopf' des Interpreten abgespielt haben muß: die zweite Person antwortet auf ihr eigenes Verständnis der Äußerung der ersten Person. Offenbar hat sie deren Äußerung in ihre eigene Sprache übersetzt, und indem sie das getan hat, hat sie ihr eigenes Kontext-, Situations- und Weltwissen nicht nur aktiviert, sondern reorganisiert. Die Interpretation sprachlicher Äußerungen durch beteiligte oder durch dritte Personen gleicht in einem gewissen Sinne der Übersetzung dessen, was andere sagen, meinen und wissen, in die eigene Sprache (Switalla 1997).

Interpretation und Explikation

Problemfeld