Rekonstruktion: Verfahren und Ziel

Die wissenschafliche Rekonstruktion dessen, was Personen einander mit ihren sprachlichen Äußerungen auf welche Weise und mit welchen Intentionen zu verstehen geben, setzt sprachpraktische, sprachanalytische und sprachtheoretische Kompetenz voraus. Wer keinerlei Kenntnis von der Welt , den Umgangsformen und der Sprache derer hat, die er zu beforschen vorhat, dem geht es wie jenem DeGaule, der den Pieds Noire in Algerien, kaum dass er den Flieger verlassen hatte, zurief, er verstehe sie - und so (nicht nur) Erfahrungswelten, Mentalitäten und Ausdruckformen miteinander verwechselte.

Auch der wissenschaftliche Analytiker ist zunächst ein verständger Beobachter, ein hypothetisch teilnehmender Mitspieler. Auch er kommt dabei nicht um Interpretation herum. Der Dialog der Akteure erschließt sich ihm nur dann, wenn er ihn seinerseits als einen Prozess der wechselsetigen Interpretation der Akteure versteht - und interpretiert. Als einen Prozess, bei dem von seinem Standpunkt aus die zweite Person auf ihr Verständnis der Äußerung der ersten Person antwortet. Auf ein nachgerade selbstverständliches, ein implizites wechselseitiges Verständnis, dass er von seinem Standpunkt aus, von seinem analytischen Interesse her explizit macht.

Worin besteht, wie geht die Explkation dessen, was die Akteure einander zu verstehen geben? In einem gewissen Wörtlich-Nehmen ihrer sprachlichen Äußerungen; einem Ausbuchstabieren dessen, was sie sagen, meinen, wollen und denken,. Das hinzubekommen ist keine Sache der Introspektion oder eines Blicks von Nirgendwoher, es erfodert vielmehr sprachanalytische Kompetenz.

Nämlich die Fähigkeit, die sprachlichen Äußerungen ihrer Logik nach so beschreiben zu können, dass das Gefüge der Aussagen, Annahmen und Wertungen transparent wird. Der methodische Kunstgriiff dabei entspricht in etwa einer den meisten Sprechern vertrauten sprachlichen Prais: der der Artikulation des sprachlich Gemeinten in einer ausdrücklicheren Form. Allerdings unter methodischen Auflagen, bestimmten analytischen Prinzipien entsprechend. Die Explikationen müssen strukturanalytisch stimmen, sie müssen den Regeln grammatischer (distributionsanalytischer) Operationen entsprechen.

Auch dabei kommen Interpretationen ins Spiel: nämlich die der angewendeten Verfahren selbst hinsichtlich der Reichweite und der Tragfähigkeit. In dieser Hinsicht ist das erste Kriterium der Angemessenheit sicher ein intersubjektives: methodisch durchdachte Explikationen sprachlicher Äußerungen tragen dann zu einer weiterführenden Rekonstruktion bei, wenn sie die Interpreatationsspielräume der Beobachter und der Handelnden erweitern und ihr Talent fördern, sich selbst in einem anderen Licht sehen zu können.

Dazu muss man aber wissen, was die sprachanalytische Praxis ausmacht, welche Sprachtheorie sie voraussetzt, welcher grammatischen Kompetenz es bedarf, um strukturanalytisch gehaltvolle Aussagen machen zu können, welche Theorie der Grammatik dabei passt usf. Und innerhalb welcher Rahmentheorie des Personseins man sich dabei bewegt, mit welchen Begriffen man dabei arbeitet. Methodischer Reduktionismus wird keine Lösung der Forschungsprobleme sein.

Empirie

Problemfeld