Prozess Prozess

Die empirische Sprachdiagnostik ist ein komplexer Prozess. Verschiedene diagnostische Praktiken, Verfahren, Konzepte, Theorien konkurrieren da miteinander. Logopäden haben andere Vorstellungen von der Diagnose und Förderung der Kinder als Psycholinguisten, die wieder andere als Sprachwissenschaftler und Sprachdidaktiker. Die neueren wissenschaftlichen Institutionen der Empirischen Bildungsforschung wiederum repäsentieren durchweg eine pädagogisch-psychologische Erfahrungswissenschaft, der nahezu jeder Bezug zu den geistes- und kulturwissenschaftlichen Grundlagendisziplinen fehlt, auf die es auch ankommt, wenn man so etwas wie sprachliche Entwicklung, sprachliche Förderung, sprachliche Bildung und Bildungsstandards angemessen erforschen will. (Das Delfin-Projekt des Landes Nordrhein-Westfalen ist ein einschlägiger Fall.) Und daneben all die kleinen, gutgemeinten, oft nur alltagstheoretisch motivierten Diagnose- und Förderinitiativen kommunaler oder privater Einrichtungen, insbesondere von Kindergärten und Kindertagesstätten, von Elterninitiativen undsofort - moderiert von Laientheoretikern, denen schon von der Aus- und Weiterbildung her eine Menge fachlicher diagnostischer Kompetenz fehlt.

Bei dieser Sachlage ist eine externe Evaluation der diagnostische Praktiken, Verfahren, Konzepte, Theorien vorschulischer Sprachstandserhebungen und Sprachfördermaßnahmen geboten. Das übrigens auch aus wissenschaftstheoretischen Gründen: das große Versprechen des pädagogisch-psychologischen Empirismus (Fnden wir die Ursachen der Sprachentwicklungsverzögerungen, dann können wir auch die Auswirkungen kompensieren) hat ja Züge eines naiven Determinismus. Der erst recht dann nicht passt, wenn schon das Entwicklungs- und Fähigheitskonzept nicht stimmt. Bei Drei- oder Vierjährigen etwa das Fehlen oder das Vorhandensein einer entwickelteren Fähigkeit zur Unterscheidung von (sozusagen bedeutungsrelevanten) Sprachlauten zu diagnostizierren, um daraus weitreichende prognostische Schlüsse hinsichtlich der weiteren sprachlichen Entwicklung in den nächhsten Jahren und auf kompensatorische Förderungsmaßnahmen zu ziehen, das zum Beispiel ist angesichts der Komplexität der soziokulturellen und intermedialen Rahmenbedingungen sprachlicher Kommunikationsmilieus der Kinder nichts anderes als kausalistisches Wunschdenken. Es ist, überdies, auch aktuelle sprachwissenschaftliche Publkationen wie die Mannheimer DUDEN-Grammatik (2005) informieren darüber angemessen, sprachtheoretisch daneben; denn was da in der Regel als die frühe phonologische Bewusstheit befundet wird, ist nichts anderes als eine gewisse Fähigkeit, mit dem Erwerb der Schrift einen buchstabenbezogenen Lautbegriff herauszubilden. Man meint dann eben, beim Aussprechen des Wortes wie verletzt ein tzt zu hören weil man es zu lesen und zu schreiben gelernt hat.

Problemfeld