Sprachtheorien

Sprachtheorien haben nicht nur Philosophen. Linguisten, Psychologen, Pädagogen und Neurologen im Kopf, wir alle haben gewisse Vorstellungen davon, welche Rolle die Sprache bei der Verständigung mit anderen, beim Verständnis der Dinge, beim Verstehen unserer selbst spielt. Bildet die intersubjektive, die objektive, die subjektive Welt gewissermaßen ab? Erzeugt sie diese drei Welten der anderen, der Dinge, unserer selbst? Welche Theorie der Sprache überzeugt uns mehr: die der Sprache als eines Mediums der Repräsentation, oder die der Sprache als eines Mediums der Artikulation? Uninteressant, darüber nachzudenken? Ein Irrtum; denn wir haben selbst auch eine Alltagstheorie der Sprache, und wir bringen sie auch ins Spiel, wann immerr wir uns über die sprachliche Kommunikation, die sprachliche Ausdrucksform streiten. (Bekanntlich ein weites Feld für sprachkritische Rechhaber: Eigentlich bedeutet aber...; Wörtlich genommen heißt doch... usf.) Und das tun wir meist, ohne zu wissen, dass wir uns dabei wie selbstverständlich in den Spuren sprachtheoretischer Traditionen bewegen. Schlagen Sie um Beispiel irgendein aktuelles Sachbuch für Kinder im Vorschulalter auf, und studieren Sie, wie damit der sog. Wortschatz von Kindern gefördert werden soll - und wie bei diesem Vorhaben der Zusammenhang der Wörter mit den Dingen verstanden wird: oft gerade so, als seien die Wörter nichts anderes als Etiketten für die Dinge. Als gäben wir den Dingen Namen; wo wir in Wirklichkeit in Handlungszusammenhängen begriffliche Unterscheidungen treffen. In Wirklichkeit?

Welchen Stellenwert haben Theorien der Sprache für die praktische Forschung? Schlüsselprobleme, mit denen sich Sprachtheoretiker der verschiedenen Wissenschaften auseinandersetzen:

1. Was heißt es, eine Sprache zu kennen - und was, eine Sprache beschreiben zu können?

2. Welches Verständnis der Sprache(n) kommt ins Spiel, wenn wir uns den Zusammenhang des Handelns, Redens und Denkens verständlich machen wollen?

3. Wie können wir wissen, was wir tun, wenn wir mit anderen reden?

4. Wie kann die Wissenschaft wissen, was Personen im Kopf haben, wenn sie sich äußern oder wenn sie auf Äußerungen anderer Personen antworten?

5. Wie kann sie den Gebrauch, die Bedeutung und die Form sprachlicher Ausdrücke vernünftig beschreiben und erklären?

6. Ist die Sprache ein Medium des Ausdrucks - oder der Abbildung dessen, was wir im Kopf haben?

7. Was heißt es, eine Sprache zu können und zu lernen; welches Modell der Language Acquisition zieht?

8. Und Grammatische Kompetenz? Angeboren, oder kulturell vererbt?

Die sprachtheoretischen Implikationen und Konsequenzen bestimmter sprachdiagnostischer Verfahren demonstriert die Heidenheimer Tagungspräsentation von 2010. Zur sprachtheoretischen Orientierung eignet sich Kambartel/Stekeler-Weithofer 2005 Reclam) sehr gut. Mit welcher Sprachtheorie sich kompetenz- und diagnosetheoretisch überzeugend arbeiten lässt, das zeigen ja Tomasellos empirische Entwicklungsstudien (besonders Tomasello 2008). Dass die sprachanalytische Praxis des Alltags, der Professionen und der Wissenschaften verstehenstheoretisch begründet sein sollte, dafür steht die Philosophie der Sprache von Robert B. Brandom. (Exemplarisch seine Skizze einer sprachanalytischen Kritik der Begriffswelt der Cognivtive Sciences.)

Sprachfähigkeitstheorien, diagnostisch

Sprachentwicklungstheorien

Problemfeld